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ISLÄNDISCHES RUNENGEDICHT

 

1. Vieh ist der Freunde Feindschaft
und das Feuer der Flut
und der Weg der Schlange
Gold "Anführer des Volkes"

2. Niesel ist das Weinen der Wolken
und der Verminderer des Eisrands,
und der Haß des Hirten.
Schatten "Anführer"

3. Thurse ist die Qual der Frauen
und der Felsen Bewohner
und der Ehemann Vardhrúnas.
Saturn "Führer des Things"

4. Ase ist der Alte Vater
und Asgards Anführer
und der Herrscher Walhalls.
Jupiter "Spitzen-Führer"

5. Reiten is ein gesegnetes Sitzen
und eine  Reise
und die Mühe des Pferdes.
Weg "Würdiger Mann"

6. Wunde ist das Weh der Kinder
und eine Geißel
und das Haus verrottendes Fleisches.
Peitsche "König"

7. Hagel ist ein kaltes Korn
und ein Schauer aus Schneeregen
und die Krankheit der Schlangen
Hagel "Kampfführer"

8. Not ist die Trauer der Dienstmagd
und harter Umstand
und anstrengende Arbeit
Leid "Niflung"

9. Eis ist die Borke des Baches
und das Dach der Wellen
und Gefahr den Verfallenen
Eis "Eberhelm-Träger"

10. Gute Ernte ist der Nutzen von allen
und ein guter Sommer
und ein vollreifes Feld
Jahr "All-Herrscher"

11. Sonne ist der Schild der Wolken
und scheinende Pracht
und das ewige Unglück des Eises.
Rad "Sohn des Siegreichen"

12. Tyr ist der einhändige Ase
und das Übriggebliebne des Wolfs
und Behüter der Höfe.
Mars "Leiter"

13. Birkenzweig ist ein blattreicher Ast
und ein Baum, der noch klein ist
und ein junges Holz.
Silberfichte "Beschützer"

14. Mann ist die Freude des Menschen
und die Vermehrung des Staubes
und der Schiffe Schmuck.
Mensch "Großzügiger"

15. Nässe ist wogendes Wasser
und ein weiter Kessel
und das Land der Fische.
See "Preiswürdiger"

16. Eibe ist ein gebogener Bogen
und brüchiges Eisen
und Farbauti des Pfeiles.
(Regen)bogen "Yngling"

 

 

Siegfrieds Schwert 

 


Jung Siegfried war ein stolzer Knab',
Ging von des Vaters Burg herab.

Wollt' rasten nicht in Vaters Haus,
Wollt' wandern in die Welt hinaus.

Begegnet' ihm manch Ritter wert
Mit festem Schild und breitem Schwert.

Siegfried nur einen Stecken trug;
Das war ihm bitter und leid genug.

Und als er ging im finstern Wald,
Kam er zu einer Schmiede bald.

Da sah er Eisen und Stahl genug;
Ein lustig Feuer Flammen schlug.

"O Meister, lieber Meister mein,
Laß du mich deinen Gesellen sein,

Und lehr du mich mit Fleiß und Acht,
Wie man die guten Schwerter macht!"

Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt,
Er schlug den Amboß in den Grund;

Er schlug, daß weit der Wald erklang
und alles Eisen in Stücke sprang.

Und von der letzten Eisenstang'
Macht' er ein Schwert, so breit und lang.

"Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert,
Nun bin ich wie andere Ritter wert;

Nun schlag' ich wie ein andrer Held
Die Riesen und Drachen in Wald und Feld !"

 


Klage um die Söhne    
 (Versform: Fornyrdhislag)

Zu schwer fällt´s mir
Die Zunge zu rühren
Mit des Liedes
Lustiger Waage.
Schlimme Aussicht
Für Odins Sangmet:
Laß ihn frei,
Verließ der Seele!

Walvater raubt´ einst
Wonnigen Trank
Jubelnden Lieds
Aus Jötunheim.
Des Gedankens Burg
Birgt ihn bei mir:
Kummer quält mich –
Sonst quöll er hervor.

Fehlerfrei
Fügt ich Lieder.
Bragi schweigt
Bei Bödvards Tod!
Brankdet, Wogen,
Ymirs Blut,
An den Grabhügel
Gríms, meines Ahns!

Denn dahin
Stirbt mein Haus
Wie das Geäst
Im ächzenden Sturm!
Nicht lacht der Mann,
Der den Leichnam trägt
Des Sippen voll Gram
Die Gruft hinab!

Mächtig drängt´s
Mich der Mutter Tod
Und des Vaters
Fall zu klagen.
Den Lippen entringt sich
Des Loblieds Stoff,
Geziert mit der Sprache
Sprießendem Laub.

Grimm ist die Lücke,
Die grollend das Meer
Riß in der Sippe
Reihen so dicht.
Offen bleibt,
Unausgefüllt
Des Sohnes Platz:
Die See ihn schlang!

Ran hat mich Armen
Rauh gepackt!
Arm bin ich
An alten Freunden!
Das Meer zerriß,
Was mich verband
Mit festem Faden
Ans Vaterhaus.

Könnte mein Schwert
Schlichten die Sache:
Der Brauer der Wogen
Brauste nicht mehr!
Wäre des Sturms
Freund zu bestehen,
Stritt ich mit Ägirs
Ekeler Braut.

Die Kraft versagen
Im Kampf doch würde
Gegen den Mörder
Meines Sohns.
Allem Volk
Vor Augen tritt
Die Ohnmacht ja
Des alten Manns.

Die tückische Flut
Vieles mir nahm:
Des Geschlechtes Fall
Schlimm ist zu künden,
Seit sein Schirm
Schied aus dem Leben,
Ein zu Walhalls
Wonnen ging!

Ich weiß es selbst:
In meinem Sohne
Nimmer gewahrt ich
Niederen Sinn,
Wäre der Schildbaum
So schön gereift doch,
Bis ihm Odin
Ehren gewährt.

Des Vaters Wort
Gefiel ihm zumeist,
Sprach auch dagegen
Das ganze Volk.
Dem Alten half er
Im Hause immer,
Stets seiner Kraft
Stütze daheim!

Oft im Grunde
Meines Geistes
Brütet ich:
Bin brüderlos!
Traurig denk ichs,
Tobt der Kampf rings,
Spähe nach Freunden
Und spreche zu mir:

"Wer wohl stünde
Wehrhaften Sinns
Noch dem alten
Egil bei?"
Oft bedarf ich´s,
Da alle schwanden:
"Vorsichtig fliegt,
Dem die Freunde fehlen!"

Zu finden ist schwer
Im ganzen Volk
Ein Freund ja, dem
Man voll vertraut.
Nicht selten sah ich
Sippenmörder,
Die Rache verkauft
Für rote Ringe.

Man sagte mir,
Ersatz bekäm ich
Für diesen Sohn nur,
Zeugte selbst ich andre.
Auch fänd ich nie
So nahen Mann,
Daß Bruderlieb´
Er brächte mir!

Des Menschen Kreis
Meid ich gerne,
Säh ich auch jeden
Versöhnlich hier!
Ins Luftreich stieg
Meines lieben Weibes
Sohn, die alten
Ahnen zu seh´n!

Der die Asen
Mit Ale bewirtet,
Ägir bleibt mir
Ewiger Feind.
Wußt er nicht
In seinem Wahn,
Daß meines Verstands
Steuer er knickte?

Den früheren Sohn
Schon Fieberhitze
Grimmig entriß
Dem greisen Mann:
Den fehlerlosen,
Nach dem nie frugen
Nachreden, üble,
Und neidiger Haß.

Gern denk ich dran,
Wie ins Götter-Reich
Des Menschen Freund
Frisch mir erhob
Des Geschlechtes Esche,
Die ich gepflanzt,
Und meines Weibes
Wonnefrucht!

Ich stand mich gut
Mit der Gere Fürsten,
Und ich vertraute
In Treue ihm,
Bis der Freund
Des frohen Sieges
Mich trog und mir
Die Treue brach!

Nicht weihe Verehrung
Vilis Bruder
Ich aus Lust:
Denn lieblos war er.
Doch gab Mims Freund
Guten Ersatz
Für böses Leid:
Die Buße schätz ich!

Des Wolfes Feind,
Gewohnt der Kämpfe,
Gab mir eine Kunst –
Keine ist besser –
Und einen Sinn,
Der sicher schafft
Aus Ränkeschmieden
Rührigsten Freund!

Schlecht ist mir zu Mut:
Die Schwester steht
Von Walvaters Feind
Am Vorgebirge.
Doch will gern
Gutwillig warten
Ich auf Hel
Mit heitrem Sinn.

Egil Skallagrímsson (* um 900, † um 985)

 

NORWEGISCHES RUNENGEDICHT

 


1.
Reichtum
ist Ursache von Uneinigkeit unter Verwandten;
der Wolf lebt im Wald.
2.
Schlacke kommt von schlechtem Eisen;
das Rentier rennt oft über Harsch.
3.
Riese verursacht Frauen Leid;
Unglück macht wenige Menschen fröhlich.
4.
Mündung ist der Weg viele Reisen;
aber eine Scheide der der Schwerter.
5.
Reiten soll am härtesten für Pferde sein;
Reginn schmiedete das feinste Schwert.
6.
Geschwür ist tödlich für Kinder:
der Tod macht einen Leichnam blass.
7.
Hagel ist das kälteste Korn;
Christus erschuf vormals die Welt.
8.
Not läßt einem wenig Wahl;
ein Nackter friert im Frost.
9.
Eis nennen wir die breite Brücke;
der Blinde muß geführt werden.
10.
Ernte ist eine Wohltat für Menschen;
Ich sage, daß Froði großzügig war.
11.
Sonne ist das Licht der Welt;
ich beuge mich dem göttlichen Ratschluß.
12.
Tyr ist ein einhändiger Gott;
der Schmied muß oft blasen.
13.
Birke hat von allen Sträuchern die grünsten Blätter;
Loki war erfolgreich bei seinem Betrug.
14.
Mensch ist eine Vermehrung des Staubes;
groß ist die Klauenweite des Falken.
15.
Wasserfall ist ein Fluß, der vom Berg fällt;
aber Verzierungen sind aus Gold.
16.
Eibe ist der grünste Baum im Winter;
sie pflegt zu knistern, wenn sie brennt.

Todeslied Ragnar Lodbroks 
(aus der "Lodbrokarkvida")

Wir hieben mit dem Schwerte,
Es war nicht allzu lange
Dass wir nach Gotland gingen,
Zum Mord des Grubenkund'gen
Dort war zur Braut mir Thora,
da ich den Aal der Heide
Durchbohrt, ward ich geheißen
Lodbrok fortan von Kämpen
Ich stach den starken Erdwurm
mit lichter Stahleszunge.

Wir hieben mit dem Schwerte,
jung war ich, da wir gaben
Östlich im Öresunde
ein Mahl dem gier'gen Wolfe
Dort, wo die harten Eisen
auf hohe Helme sangen
Da war gelbfüß'gen Vögeln
der Azung viel bereitet
Ägir war angeschwollen.
Ran watet im Walblute.

Wir hieben mit dem Schwerte,
das hat sich mir erwiesen
Dass wir dem Schicksal folgen,
niemand entweicht der Norne
Wohl dacht' ich nicht, dass Ella
des Alters Ziel mir setzte
Da ich Blutfalken äzte
den Bord zum Strande treibend
Wohl gaben wir den Wölfen
ihr Teil in Scotlands Buchten

Wir hieben mit dem Schwerte,
das schafft mir immer Freude
Dass Baldurs Vater Bänke
bereit ich weiß zum Trinkmahl
Bald werden Bier wir trinken
aus krummen Schädelbäumen
Nicht schmerzt der Tod den Helden
in Fjölnirs hehrem Haufe
Nicht tret' ich mit dem Worte
der Angst zu Bidrirs Tische.

Wir hieben mit dem Schwerte,
jetzt würden Aslögs Söhne
Hier alle mit den scharfen
Schwertklingen Hildur wecken
Wenn sie nur Kunde Hätten
von aller meiner Drangsal
Wie eine Schar von Schlangen;
giftvollen, mich verzehre
Die Mutter gab ich ihnen,
die mutige geboren.

Wir hieben mit dem Schwerte,
es neigt sich stark zum Ende
Grimm dränget mich die Natter
im Saal des Herzens nistend
Das hoff' ich, bald wird Ella
von Bidrirs Reis durchbohrt sein
Die Söhne werden schwellen
ob solchem Tod des Vaters
Nicht werden diese raschen
in träger Ruhe zögern.

Wir hieben mit dem Schwerte
zu einundfünfzig Schlachten
Hab ich das Heer geführet
zum Pfeilgeding entbietend.
Jung rötet' ich die Spitze,
und nie kam mir zu Sinnen
Mich würd' ein andrer König
in Kampfesruhm bewält'gen;
Jetzt laden mich die Asen
und nicht erschreckt der Tod mich.

So wünsch' ich denn zu enden,
Heim laden mich die Disen
Die mir von Herjans Hallen
herabgesandt hat Odin
Froh werd' ich Bier mit Asen
dort auf dem Hochsitz trinken.
Ab sind des Lebens Stunden
und lachend werd' ich sterben.

 

Übersetzung (wahrscheinlich) von Ludwig Uhland. Altnordisches Original : "Lodbrokarkvida".