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Beowulf (möglicherweise altengl. für „Bienen-Wolf“, Kenning für „Bär“) ist ein episches Heldengedicht in angelsächsischen Stabreimen. Mit seinen 3.182 Versen stellt es das bedeutendste erhaltene Einzelwerk angelsächsischer Sprache dar; gleichzeitig macht es zehn Prozent des gesamten erhaltenen Textguts dieser Sprachform aus. Das Epos entstand vermutlich nach dem Jahr 700 und spielt in der Zeit vor 600 n. Chr. in Skandinavien. Wie bei vielen anderen mittelalterlichen Texten ist für das Epos kein zeitgenössischer Titel überliefert; seit dem 19. Jahrhundert ist der Name des Helden Beowulf als Name des Gedichts in Gebrauch.

 

Die Erzählung folgt dem Schicksal des jungen Helden Beowulf vom Volk „Geatas“, deren König anfangs noch Hygelac ist. Die Identität der „Geatas“ ist nicht sicher geklärt; es könnte sich um die Gauten, Goten oder auch Jüten handeln. In der Forschung ist aber die Deutung als Gauten als die wahrscheinlichste anerkannt. Er fährt mit 14 Gefährten nach Dänemark, um Hrothgar, dem König der Dänen, beizustehen. Dieser wird von Grendel, einem menschenverschlingenden Ungeheuer (eventuell in der Tradition nordischer Trolle), heimgesucht. In zwei Kämpfen besiegt Beowulf zuerst Grendel und danach dessen nach Rache strebende Mutter. Hrothgar zeichnet Beowulf durch die Gabe reicher Gastgeschenke aus. Der zweite Teil des Gedichts spielt viele Jahre später. Der zum König der „Geatas“ und Erbe des dänischen Reiches aufgestiegene Beowulf sieht sich einem feuerspeienden Drachen gegenüber, der seine Lande verwüstet. Wie im ersten Teil versammelt er eine Schar von Gefolgsleuten und zieht der Gefahr entgegen. Diesmal muss er jedoch seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen; von den Gefährten steht ihm nur einer im entscheidenden Moment bei.

Die im Gedicht beschriebene Gesellschaft legt Wert auf Ehre, Mut und Tapferkeit; Kämpfer sind hoch angesehen und erreichen bedeutende Positionen. Der König, der die Position des Beschützers seines Landes innehat, erwartet den Kriegsdienst seiner Mannen; diese werden von ihm für ihren Einsatz mit Waffen, Wertgegenständen und Ländereien belohnt.

Daneben sieht sich der Einzelne unter dem Einfluss eines übermächtigen Schicksals (vgl. Heil); Beowulf etwa geht in die Auseinandersetzungen mit der Einstellung, dass nicht er selbst, sondern das Schicksal letztendlich den Ausgang entscheiden wird – eine in der nordischen Kriegertradition tief verwurzelte Weltanschauung.

Das Gedicht vermischt nordische mit christlichen Traditionen. Die Personen zeigen alle traditionelle, in der germanischen und nordischen Tradition geschätzte Charaktereigenschaften. Moralische Entscheidungen werden hier oft durch eine christliche Sichtweise ergänzt. Auch Grendel wird als Nachkomme des Brudermörders Kain in eine christliche Werteordnung gestellt. Es wird spekuliert, dass Beowulf die christianisierte Form eines traditionell nordischen Stoffes darstelle.

Originaltextseite von der Beowulflegende
Originaltextseite von der Beowulflegende

Muster (Vers 336–355):

Hwanon ferigeað ge fætte scyldas,
græge syrcan ond grimhelmas,
heresceafta heap? Ic eom Hroðgares
ar ond ombiht.
Ne seah ic elþeodige
þus manige men modiglicran,
Wen ic þæt ge for wlenco, nalles for wræcsiðum,
ac for higeþrymmum Hroðgar sohton.
Him þa ellenrof andswarode,
wlanc Wedera leod, word æfter spræc,
heard under helme:
beodgeneatas; Beowulf is min nama.
Wille ic asecgan sunu Healfdenes,
mærum þeodne, min ærende,
aldre þinum, gif he us geunnan wile
þæt we hine swa godne gretan moton.
Wulfgar maþelode (þæt wæs Wendla leod;
 his modsefa manegum gecyðed,
                                              wig ond wisdom): Ic þæs wine Deniga,
                                              frean Scildinga, frinan wille,
                                              beaga bryttan, swa þu bena eart,
                                              þeoden mærne, ymb þinne sið,
                                              ond þe þa ondsware ædre gecyðan
                                              ðe me se goda agifan þenceð.